Mittelständische Unternehmen: Wenn die Bank auf stur schaltet
Sie zieht sich und zieht sich – die Finanzkrise. Die Auftragslage vieler Unternehmen hat sich in den letzten Monaten zwar stark verbessert. Und auch auf dem Arbeitsmarkt geht es bergauf: Aus Kurzarbeit wird vielfach wieder eine Vollbeschäftigung und Unternehmen stellen wieder neues Personal ein. Jedoch haben drei Prozent aller deutschen mittelständischen Unternehmen Finanzierungsprobleme. Ursache dafür ist die zurückhaltende bis verstockte Kreditbereitschaft vieler Banken.
Während der Hochphase der Finanzkrise mussten viele der mittelständischen und kleinen Unternehmen auf ihr Eigenkapital zurückgreifen, um die laufenden Kosten zu decken. Die gesunkene Eigenkapitalquote verschlechtert die Bonität und damit auch das Kredit-Rating. Das hat auch jetzt noch Konsequenzen, da die Auftragslage sich wieder verbessert: Denn mit so einer Herabstufung wird dem Kreditgeber angezeigt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung sinkt. Die Banken reagieren darauf, indem sie für den Kreditnehmer die Zinsen verteuern. In weitaus kleineren Dimensionen erleben die Mittelständler also genau das, was Griechenland und Spanien gerade zum Verhängnis wird.
Der Kreditbedarf steigt, die Bereitschaft der Banken sinkt
Und gerade in Zeiten, wo die Konjunktur wieder in Schwung kommt, ist das ein vertrackte Situation: Denn besonders jetzt steigt der Kreditbedarf für Unternehmen – es müssen neue Maschinen, Rohstoffe und andere Investitionen finanziert werden. Und auch wenn ganze Unternehmen günstig eingekauft werden könnten – durch die Finanzkrise sind einige Schnäppchen auf dem Markt –, kann eine solche Chance nicht wahrgenommen werden, weil die Geldgeber nicht mitspielen.
Eine Option, die bleibt, wenn keine Privatbank mehr mitspielt, ist ein Kredit der KfW Bankengruppe. Zusammen mit der Bundesregierung hat die Staatsbank ein 40 Milliarden-Programm aufgelegt, um den Finanzkreislauf am laufen zu halten. 6,6 Milliarden sind schon vergeben, 0,3 Milliarden verleiht das Geldinstitut an Hausbanken, die damit Mittelständler finanzieren. Wird das Geld von der Staatsbank vergeben, gelten weniger strenge Maßstäbe, denn die KfW trägt ein Großteil des Keditrisikos. Eine andere Maßnahme, die Finanzierung über die Hausbank zu sichern, ist die Absicherung de Risiken über Bürgschaftsbanken. Die gibt es in jeden Bundesland und sind privatwirtschaftliche Institutionen, die jedoch vom Staat bei der Kreditvergabe an mittelständische unternehmen unterstützt werden.
Eine Chance, etwas zu ändern
Und eine Firma kann einiges tun, um dem kritischen Blick der Banken besser standhalten zu können. So ist Leasing statt Kauf eine Option, um kurzfristig flüssig zu werden. Eigene Forderungen können verkauft werden oder das Eigenkapital durch Beteiligung von stillen Geldgebern oder Private-Equity-Gesellschaften erhöht werden. Das verbessert dann wiederum die Bonität und die Banken sind wieder etwas gnädiger gestimmt. Zeigt eine Bank sich gänzlich unflexibel, kann eine andere übrigens durchaus bereitwillig einen Kredit vergeben. Hartnäckigkeit lohnt sich also immer.